Wittenberg an der Elbe 2005

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Die Elbe bei der Lutherstadt Wittenberg ist ein besonders reizvolles Revier. Nicht nur die Flusslandschaft ist hier abwechslungsreich und interessant, sondern es gibt auch in allernächster Nähe gleich drei Unesco Weltkulturerbe zu besichtigen: Dessau mit seinen Bauhauseinrichtungen, Wörlitz mit seinem einzigartigen Landschafts- und Gartenpark und eben Wittenberg, die als Universitätsstadt im 16. Jahrhundert durch seinen dort lehrenden Theologen und Professor Dr. Martin Luther die Gesellschafts- und Kirchenordnung nachhaltig auf den Kopf stellte und revolutionierte.

Gute Gründe für den ASC dort ein Treffen zu organisieren zu Fronleichnam 2005. Ausgangpunkt war die MCE Marina Wittenberg, ein idealer Ort für Womos und Boote. Der Campingplatz liegt idyllisch am Elbufer gegen über der Stadt. Der Hafen ist gegen das Fahrwasser gut geschützt, man kann die Boote ohne Probleme per Kran ins Wasser bringen und besonders wichtig, es gibt auch eine Tankstelle am Wasser. Die Betreiber, Familie Schult haben die Marina in wenigen Jahren von einem eher heruntergekommenen Militärstützpunk der NVA in ein wahres Schmuckstück verwandelt und kümmern sich rührend um ihre Gäste. Besonders zu schätzen gelernt, habe ich beispielsweise den morgendlichen Frühstücksservice, wo man auf Bestellung ein komplettes Frühstück im Picknickkorb direkt vor die Tür geliefert bekam.
Offensichtlich war das Ziel für Schlauchbootfahrer so interessant gewählt, dass der ASC neben seinen eigenen Mitgliedern auch die gleiche Anzahl an Gästen begrüssen konnte. Viele kamen schon am Mittwoch, den 25. Mai an, so dass man genügend zeit hatte, sich gegenseitig kennen zu lernen und spontan schon für Donnerstag eine gemeinsame Fahrt nach Dessau zu organisieren.
Abends sass man dann gemütlich beim Skipperhock zusammen und besprach die Törns und Aktivitäten für die nächsten zwei Tage; freitags stand Torgau auf dem Zettel, am Samstag war der Besuch im Park von Wörlitz eingeplant.

Am Freitag ging es recht früh, gegen 8:30/9:00 Uhr flussaufwärts nach Torgau los - immerhin rund 60 Km einfach und das wollten speziell die kleineren Boote auch gut schaffen. Torgau ist eine kleine, hübsche Renaissance-Stadt mit einem mächtigen Schloss direkt an der Elbe. Geschichtlich ist vielleicht deshalb interessant, weil hier auf Befehl von Napoleon eine befestigte Garnison erbaut wurde und der zweite Weltkrieg faktisch mit einem Handschlag am 8. Mai 1945 zwischen amerikanischen und russischen Soldaten beendet wurde.

In Torgau konnten wir im Hafen des Wasser- und Schifffahrtsamtes festmachen; an dieser Stelle möchten wir uns alle bei Herrn Siering bedanken, der die Ausnahmeregelung möglich machte. In Torgau stand zunächst der Besuch in einem privaten Brauereimuseum auf dem Programm, dass in seinen Ursprüngen schon Anfang des 16. Jahrhunderts als Brauerei erwähnt wurde. Gott sei dank ist so eine Führung keine trockene Angelegenheit und so haben wir praktischen Anschauungsunterricht geniessen können und zwar in Form von Torgauer Landbier, Noonensud und dem Torgauer Rittertrunk. So gestärkt waren dann die Ausführungen unseres Museumsführers eine kurzweilige Angelegenheit und jeder nahm seine persönliche Erkenntnis mit auf dem Weg danach die Stadt zu erkunden. Nachmittags ginds dann recht flott stomabwärts wieder nach Wittenberg - wäre da nicht eine kleine, bemerkenswerte Begebenheit gewesen, die dazu führte , dass ein Boot ins Schlepptau genommen werden musste: ein Zweitakter fährt halt nicht mit Diesel.

Für den Abend hatten wir uns zum gemeinsamen Grillen auf dem Elbdeich verabredet. Petrus meinte es besonders gut mit uns und schenkte und nach einem herrlichen sonnigen Tag auch einen lauen Vorsommerabend. Schnell wurde eine lange Tafel aufgebaut und der ASC spendierte dazu zwei Kästen Wittenberger Bier. Man sass noch recht lange zusammen, es war auch besonders romantisch als der Sonnenuntergang die Silhouette von Wittenberg in ein feuriges Rot tauchte.

Am Samstag führen wir elbabwärts um uns das Gartenreich in Wörlitz anzusehen. Anlaufpunkt war hier der kleine Sportboothafen bei der Gierfähre Coswig und wir wurden dort vom Vorsitzenden des Seglervereins, Herrn Lorenz, herzlich aufgenommen und begrüsst. Auf der gegenüberliegenden Seite der Elbe wartete dann auch schon unser Bus, der uns zum Gartenpark Wörlitz brachte.

Von 1764 bis kurz nach 1800 angelegt, ist der 112 Hektar große Wörlitzer Garten nicht nur einer der größten, sondern auch einer der frühesten und bedeutendsten Landschaftsparks Kontinentaleuropas. Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (geb. 1740 in Dessau; gest. 1817 auf Schloss Luisium) verwirklichte unter dem Einfluss der bürgerlichen Aufklärung ein Reformprogramm, das alle Lebensbereiche umfasste und verwandelte Anhalt-Dessau in ein Musterländchen - in einen Garten für die Menschen. Sichtbarer Ausdruck dessen ist das Dessau-Wörlitzer Gartenreich mit dem gartenkünstlerischen Höhepunkt, dem Englischen Garten zu Wörlitz. Nach der ersten Reise nach England 1763-64 fasste Fürst Franz den Entschluss zur Anlage dieses Landschaftsparks. Von seinen weiteren Studienreisen nach England, Italien, Frankreich, in die Schweiz und nach Holland brachte er immer neue Ideen mit, bei deren gartenkünstlerischer Umsetzung er oft selbst gestalterisch eingriff. Die Wörlitzer Anlagen wurden so zum Wallfahrtsort für die aufgeklärten Zeitgenossen. Absolut neu für die damalige Zeit war die Öffnung des Parks für alle. Das Gartenreich Dessau-Wörlitzwurde am 30. November 2000 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.

Wir hatten einige Stunden Zeit den Garten auf eigene Faust zu erkunden, jeder wie er wollte, zu Fuss oder auch auf dem Wasser. Dann brachte uns der Bus wieder zurück zur Elbfähre und nachdem wir uns auf der Elbterrasse des gleichnamigen Ausflugslokals mit kühlen Getränken erfrischt hatten, ging es wieder zurück zur Marina Wittenberg.

Nachmittags hatten wir dann noch ein weiteres Highlight auf dem Programm: eine kundige Stadtführerin erklärte uns bei einem Rundgang durch die Altstadt Wittenbergs die wichtigsten Sehenswürdigkeiten aus der Geschichte der Lutherstadt. Den Abend liessen wir dann im Brauhaus Witteberg bei zünftigem Essen und süffigen Bier ausklingen.

Am Sonntag wurden dann die Boote wieder gekrant und nach allgemeinem Verabschieden und gegenseitigen guten Wünschen verabredete man sich bis zum nächsten Treffen.

Bericht von Stefan Michel          zu den Fotos
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